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Nachhaltigkeit · 9. Juni 2026 · 7 Min. Lesezeit

PFAS in Verpackungen unter der PPWR – was ab 12. August 2026 für Erzeuger gilt

Ab 12. August 2026 gelten unter der PPWR strenge PFAS-Grenzwerte für Lebensmittelverpackungen. Was Erzeuger jetzt prüfen müssen – mit Praxistest aus der Schweiz.

Lebensmittelverpackung aus Kunststoff und Papier – Symbolbild zu PFAS-Grenzwerten unter der PPWR

Das Wichtigste in Kürze

Ab dem 12. August 2026 gelten unter Artikel 5 der PPWR erstmals EU-weit verbindliche PFAS-Grenzwerte für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt. Verpackungen aus Polyethylen oder PET sind kaum betroffen und fallen in die tiefste Risikokategorie – entscheidend ist der dokumentierte Nachweis je Verpackungstyp.

Ab dem 12. August 2026 schreibt Artikel 5 der PPWR (EU 2025/40) erstmals EU-weit verbindliche PFAS-Grenzwerte für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt vor. PFAS sind auch in anderem Zusammenhang in die Schlagzeilen geraten: Milchproben haben ergeben, dass die Böden im Nordosten des Kantons St. Gallen stark mit PFAS belastet sind. Damit geraten PFAS in die Nahrungskette. Um einen Eintrag von PFAS in die Nahrungskette durch Verpackungen zu minimieren, wurden in der PPWR Grenzwerte aufgenommen. Grundsätzlich sind Verpackungen aus den Massenkunststoffen Polyethylen oder PET davon kaum betroffen und fallen in die tiefste Risikokategorie.

Den vollständigen rechtlichen Rahmen, alle Fristen und die Pflichten für Schweizer Unternehmen finden Sie in unserem Überblicksartikel zur PPWR – EU-Verpackungsverordnung 2026.

Die drei PFAS-Grenzwerte nach Artikel 5 PPWR

  • 25 ppb für jedes gemessene nicht-polymere PFAS
  • 250 ppb für alle gemessenen nicht-polymeren PFAS zusammen
  • 50 ppm für alle PFAS zusammen, einschliesslich polymeren PFAS

Was sind PFAS – und warum sind sie problematisch?

Doch was sind eigentlich PFAS? Das Bundesamt für Umwelt BAFU erklärt: «Bei per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) handelt es sich um eine Gruppe von mehreren tausend synthetischen Industriechemikalien. Seit den 1970er-Jahren werden sie in grossem Umfang eingesetzt. Viele PFAS sind fett-, schmutz- und wasserabweisend und thermisch und chemisch äusserst stabil. Diese Stoffeigenschaften sind vorteilhaft und nützlich in einer Vielzahl an Produkten und Prozessen, aber PFAS sind problematisch in der Umwelt und für die Gesundheit.»

PFAS sind in der Umwelt nahezu nicht abbaubar und werden daher auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet. Sie stellen ein Risiko für die Gesundheit und die Umwelt dar. PFAS reichern sich im menschlichen Körper, in Organismen, Tieren und Sedimenten sowie in Pflanzen an. Für einige PFAS – beispielsweise die Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und die Perfluoroctansäure (PFOA) – sind ausserdem gesundheitsschädliche Wirkungen bekannt.

Wegen ihrer speziellen Stoffeigenschaften werden PFAS in zahlreichen Anwendungen und Produkten eingesetzt: in Feuerlöschschäumen (AFFF), Antihaftbeschichtungen von Küchenutensilien, fett- und wasserabweisenden Textilien, beschichteten Papieren und Kartons, Kunststoffen, Medizinprodukten, Skiwachsen und vielen weiteren Anwendungen.

Nachweis der Grenzwert-Einhaltung – schrittweises Vorgehen

Der Nachweis der Einhaltung der Grenzwerte ist herausfordernd. Es besteht noch keine harmonisierte Methodologie dazu. Daher schlägt die Kommission in ihrer Guidance ein schrittweises Vorgehen vor:

  • Prüfung auf den gesamten Fluorgehalt. Wenn dieser weniger als 50 mg/kg beträgt, gilt die Probe als konform.
  • Wenn der gesamte Fluorgehalt diesen Wert übersteigt, müssen weitere Analysen erfolgen, welche den Fluorgehalt in organisch und anorganisch aufteilen. Wenn der organische Anteil dann weniger als 50 mg/kg beträgt, ist die Probe konform.

Die Generaldirektion für Umwelt (DG ENV) der Europäischen Kommission hat eine Task Force PFAS eingerichtet, welche harmonisierte Testprotokolle erarbeiten soll. Dem Vernehmen nach steht auch die Reduktion der 50-ppm-Schwelle auf 10 ppm zur Debatte.

Warum nimmt die PPWR die PFAS-Thematik auf?

Immer mehr Fälle von PFAS in der Umwelt werden bekannt. Da sich diese Stoffe kaum abbauen, spricht man von Ewigkeitschemikalien. In der Schweiz gaben folgende Fälle zu reden:

  • PFAS-belastetes Fleisch im Kanton St. Gallen
  • PFAS-belastetes Trinkwasser infolge Verschmutzung durch den Euro Airport Basel
  • PFAS in Bodensee und Thur durch Löschwasser

In der Schweiz wurde eine umfassende Studie zu PFAS im Grundwasser durchgeführt (NAQUA-Studie). Insgesamt wurden 550 Messstellen beprobt. In knapp der Hälfte der Messstellen wurden PFAS im Grundwasser nachgewiesen. Aktuelle geltende Grenzwerte wurden aber nur an einer Messstelle überschritten. Höhere Messwerte waren meist bedingt durch PFAS-haltige Löschschäume.

Die deutsche NGO Bund hat im November 2025 46 Trinkwasserproben untersucht und in 42 davon PFAS gefunden. Dabei wurden die neu ab 2026 und 2028 in der EU einzuführenden Grenzwerte in mehreren Regionen überschritten. Auch in Lebensmitteln finden sich PFAS, beispielsweise in 69 Prozent der Fische, 23 Prozent der Milch oder 14 Prozent des Fleisches, wie die NGO Bund schreibt.

Bereits im Januar 2023 haben Umweltbehörden aus fünf EU-Ländern – Dänemark, Schweden, Deutschland, Niederlande und Norwegen – ein Dossier bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA deponiert, um PFAS zu beschränken. Während der Vernehmlassung 2023 sind über 5600 Rückmeldungen eingegangen. Am 20. August 2025 hat die ECHA einen überarbeiteten Beschränkungsvorschlag publiziert. Zwischenzeitlich haben auch die beiden ECHA-Komitees – das Risk Assessment Committee (RAC) und das Socio-Economic Analysis Committee (SEAC) – ihre Beurteilung abgeschlossen. Noch ist unklar, wann und wie genau die Beschränkung eingeführt werden soll.

Differenzierung polymere PFAS

PFAS sind in der Umwelt unerwünscht, das steht ausser Frage. Jedoch sollte die Beschränkung auch berücksichtigen, dass es PFAS gibt, die in der Umwelt kaum mobil sind: polymere PFAS oder fluorhaltige Kunststoffe. Das Fluor in diesen Kunststoffen ist in langen Polymerketten gebunden und kann nicht einfach so austreten. Fluorhaltige Kunststoffe sind in der Medizintechnik, in der Labortechnik, in der Umwelttechnik und der Elektronik unabdingbar und sollten von der Beschränkung ausgenommen werden. Viel eher sollte eine Stoffflusskontrolle etabliert werden, damit auch polymere PFAS am Ende ihres Lebens korrekt entsorgt werden.

Was PFAS-Konformität für Kunststoff-Verpackungen bedeutet

Eine Studie aus dem Jahr 2026 beschäftigt sich mit der Frage, wie die Konformität mit Artikel 5 der PPWR erzielt werden kann. Die Autoren schlagen eine Risikomatrix vor, welche das Risiko des Auftretens von PFAS in Verpackungen von 1 (sehr gering) bis 4 (hoch) einstuft. Die Einstufung erfolgt aufgrund einer Literaturrecherche, ergänzt durch analytische Methoden. Als relevanteste Verpackungsklasse für PFAS wurden faserbasierte Verpackungen identifiziert: Da Papier- und Kartonverpackungen hydro- und lipophil sind, müssen diese beschichtet werden, damit flüssige und fetthaltige Lebensmittel abgefüllt werden können.

Bei Kunststoffen findet die Beschichtung mit PFAS in einigen Fällen absichtlich statt, um die chemischen Eigenschaften und die Barriereeigenschaften zu verbessern. Dies ist in der Regel bei Chemikalienverpackungen der Fall, nicht bei Lebensmittelverpackungen. PFAS können bei Kunststoffen aber auch über Produktionshilfen oder Unreinheiten in Additiven enthalten sein. Die Risikotabelle für Verpackungen zeigt, dass feste PET- und PE-Verpackungen kaum ein Risiko aufweisen, PFAS zu enthalten:

Material PFAS-Risikoklasse
Kunststoffe Mono
PET1
PE-HD1
PE-LD1
PP1
PS1
rPET1
rPE-HD, rPP, rPS2
Papier
Reines Papier1
Recyclingpapier4
Imprägniertes Papier (fettabweisend)4
Metall
Alu unbeschichtet1
Alu beschichtet innen/aussen3
Stahl unbeschichtet1
Stahl beschichtet innen/aussen3
Glas
Behälterglas1
PFAS-Risikoklassen nach Verpackungsmaterial (1 = sehr gering bis 4 = hoch)Quelle: Zusammenfassung nach Wack, K., Apprich, S., Bergmair, J., & Tacker, M. (2026). Development of a Risk Matrix for Assessing PFAS in Food Packaging. Foods, 15(7), 1183.

Unsere Praxis – wie wir prüfen

Die Semadeni Industry Group stellt feste Verpackungen aus Kunststoff in den Gruppengesellschaften Biplast und Logo-Plastic her. Die Verpackungen sind fast ausschliesslich feste Behälter, meistens aus PE-HD oder PET. Damit fallen unsere Produkte in die tiefste PFAS-Risikokategorie gemäss der Studie von Wack et al. (2026).

Trotzdem wollten wir die Studienergebnisse validieren und haben je eine Flasche aus PE-HD und aus PET durch das akkreditierte Prüflabor TÜV Rheinland LGA Products GmbH prüfen lassen. Der Prüfbericht vom 6. Mai 2026 hält fest, dass der Gesamtanteil von Fluor bei beiden Proben weniger als 50 mg/kg beträgt. Damit gelten die Verpackungen gemäss Guidance der Kommission als konform mit der PPWR. Als Prüfmethode wurde das Verfahren der Bestimmung von Halogenen durch oxidative pyrohydrolytische Verbrennung, gefolgt von Ionenchromatographie, angewendet.

Darüber hinaus hat das Labor eine einzelne Bewertung von PFAS-Substanzen vorgenommen (targeted screening). Dabei wurden die PFAS-Substanzen gegen aktuelle Grenzwerte (25 ppb in der PPWR) und gegen künftige, aus der voraussichtlich kommenden PFAS-Beschränkung in der REACH-Verordnung resultierende Bestimmungen geprüft. Beide Flaschen waren auch hier konform.

So weisen Sie PFAS-Konformität nach

Verantwortlich für die PFAS-Konformität ist der Erzeuger. Das ist in der Regel der Abfüller. Wenn Sie also Erzeuger sind, empfiehlt sich derzeit und bis zum Vorliegen harmonisierter Prüfprotokolle unter der PPWR folgendes Vorgehen:

  1. Handelt es sich um eine Lebensmittelverpackung?
  2. Aus welchen Materialien besteht meine Verpackung – inklusive Etiketten, Klebstoffe und Druckfarben?
  3. Wie ist das materialspezifische PFAS-Risiko einzustufen?
  4. Lieferantenerklärung einholen, dass kein absichtliches PFAS im Material und/oder im Fertigungsprozess verwendet wurde.
  5. Teststrategie festlegen, dokumentieren und begründen, je nach Risikoeinstufung. Das beinhaltet im Wesentlichen die Frequenz und die Stichprobenwahl für die Analytik.
  6. Implementierung der Teststrategie und Durchführen von analytischen Prüfungen bei akkreditierten Prüflaboren.
  7. Dokumentation mit allen Ergebnissen erstellen – einschliesslich der Lieferantenerklärung und sonstiger Dokumente wie Materialdatenblätter und Rezepturen.
  8. Bewertung der Verpackung auf Konformität aufgrund der Evidenz in der Dokumentation.
  9. Einbindung in die Konformitätserklärung (DoC) nach PPWR.

Zusammenfassend

  • Risikobewertung der Verpackung vornehmen
  • Teststrategie festlegen und implementieren
  • Ergebnisse bewerten, dokumentieren und in die Konformitätserklärung aufnehmen

Fazit

Ab 12. August 2026 müssen Lebensmittelverpackungen in der EU strenge PFAS-Grenzwerte erfüllen. Dies gilt für alle Verpackungen. Das höchste Risiko für PFAS weisen fettabweisend beschichtete Papier- und Kartonverpackungen auf. Feste Kunststoffverpackungen aus Monomaterial wie PE oder PET weisen ein sehr geringes PFAS-Risiko auf. Bei Semadeni in einem akkreditierten Labor durchgeführte Tests haben Konformität mit der PPWR nachgewiesen.

Mehr zur PPWR findet sich in unserem Übersichtsartikel zur PPWR.

Quellen

Stand: 09.06.2026 – Inhalte werden bei wesentlichen Änderungen der EU- oder Schweizer Rechtsgrundlagen aktualisiert.

Häufige Fragen

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Ab wann gelten die PFAS-Grenzwerte der PPWR?

Die Grenzwerte gelten ab dem 12. August 2026. Sie gelten auch für Lagerbestände, die zuvor produziert wurden und nach diesem Datum in Verkehr gebracht werden.

Wie hoch sind die PFAS-Grenzwerte unter der PPWR?

25 ppb für jedes gemessene nicht-polymere PFAS, 250 ppb für alle gemessenen nicht-polymeren PFAS zusammen, und 50 ppm für alle PFAS zusammen einschliesslich polymeren PFAS.

Welche Verpackungen sind von den PFAS-Grenzwerten der PPWR betroffen?

Alle Verpackungen. Das höchste Risiko von PFAS weisen beschichtete Papier- und Kartonverpackungen auf.

Enthalten PET- und PE-Flaschen PFAS?

Für die Produktion und das Material sind keine PFAS notwendig. Das Risiko für PFAS ist daher sehr gering – solange die Behälter nicht absichtlich fluoriert oder PFAS-beschichtet sind. Semadeni führt im Sortiment auch fluorierte Behälter, beispielsweise für Lösungsmittel oder Spezialchemikalien: Diese sind nicht für Lebensmittelkontakt vorgesehen und unterliegen einer separaten Konformitätsprüfung. Für Lebensmittelverpackungen aus PE oder PET ist das PFAS-Risiko gemäss aktueller Datenlage sehr gering.

Wie weisen Hersteller die PFAS-Konformität ihrer Verpackungen nach?

Mit einer Risikobewertung, einer angemessenen Teststrategie, gefolgt von einer Dokumentation und Bewertung nach den Vorgaben der PPWR.

Gelten die PPWR-PFAS-Regeln auch für Schweizer Exporteure?

Ja, sofern die Verpackung in die EU geliefert und dort in Verkehr gebracht wird.

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